Hang-On im Herzen: Super Night Riders (PC, neko.works, 2016)

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Titelbidschirm von „Super Night Riders“ für PC und Xbox One

Heute gibt es zur Abwechslung mal etwas neues, allerdings mit alter Seele: „Super Night Riders“ wird auf seiner Steam-Seite als „modernes Arcade-Rennspiel, das von den Retroklassikern inspiriert wurde“ beschrieben. Welche Klassiker das sind, dürfte schnell deutlich werden: Hier stand eindeutig Segas Spielhallenklassiker „Hang-On“ von 1985 Pate, mit Anleihen bei „Super Burnout“ für den Jaguar und einer ganz kleinen Prise „Road Rash“ vom Mega Drive.

Wer mindestens eines dieser Spiele bereits kennt (Und wer tut das nicht?) weiß sofort, wie der Hase läuft. Für alle anderen hier die Kurzfassung: Es gilt mit dem Motorrad innerhalb des engen Zeitlimits vom Start ins Ziel zu rasen, möglichst ohne dabei zu oft von der Strecke zu kommen oder mit anderen Fahrern zu kollidieren, was jeweils viel Zeit kostet. So lange man fährt, bekommt man Punkte gutgeschrieben, umso mehr je schneller man unterwegs ist. Dazwischen passiert man in regelmäßigen Abständen Checkpoints, die einem einen Zeitbonus für den nächsten Streckenabschnitt geben. Läuft die Zeit ab, ist das Rennen vorbei.

Funkenflug mit Bonuspunkten: Da haben wir einen angerempelt.

So weit, so gut, so klassisch, so „Hang-On„. Das Spiel kann über 3 Dekaden später aber natürlich mit ein paar Neuerungen aufwarten, die das klassische Gameplay aber glücklicherweise so gut wie nicht beeinflussen. So gibt es nun z.B. Bonuspunkte, wenn man einem gegnerischen Motorrad beim überholen „eine mitgibt“, es also seitlich touchiert. Ein nettes kleines Kopfnicken in Richtung „Road Rash“, wie ich finde.

Vor dem Start eines Rennens hat man die Wahl zwischen 2 Modi: Super und Classic. Diese unterscheiden sich nicht in der Spielweise, sondern in der Grafik: Im Classic-Modus, der eigentlich nur ein alter grafischer Stand des Spiels ist, kommen deutlich weniger detaillierte Modelle zum Einsatz, das ganze hat einen gewissen „Virtua Racing„-Flair. Vermutlich deshalb hat sich Entwickler neko.works dazu entschieden, diesen Stand als Feature im Spiel zu belassen.

Nicht ganz, aber Nahe dran: Hang-On!

Direkt aus „Super Hang-On“ wurde die Möglichkeit übernommen, vor dem Rennen aus verschiedenen Musikstücken zur musikalischen Begleitung auszuwählen. Waren es im Vorbild und in früheren Versionen von „Super Night Riders“ noch 4 Stücke, sind es inzwischen derer 6, von Hardrock über Synthwave bis hin zu Chiptune-inspirierten Klängen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Seit dem letzten Update kann man nun sogar während des Rennens zwischen den Titeln wechseln!

Ebenfalls noch vor dem Rennen muss man sich entscheiden, ob man einen Course oder einen Stage fahren will. In ersterem fährt man durch 6 unterschiedliche Umgebungen, wer möchte rast durch alle 36 Abschnitte. In letzterem darf man durch 6 Abschnitte der gleichen Umgebung zu unterschiedlichen Tageszeiten zischen.

Womit wir bei der eindeutig schönsten Modernisierung sind: Die unterschiedlichen Tageszeiten und Lichtverhältnisse. Wie im Spielhallenvorbild startet jedes Rennen am Tag, geht über den Sonnenuntergang in die Abenddämmerung, durch die Nacht und endet nach Sonnenaufgang und Morgendämmerung wieder tagsüber.

„Hanami“ im Classic-Modus bei Sonnenuntergang

„Hanami“ im Classic-Modus bei Tag

Im Gegensatz zu 1985 werden die Tageszeiten aber nicht mehr einfach durch farbliche Veränderung der einzelnen Stages inszeniert, sondern durch tatsächlich unterschiedliche und dynamische Lichtverhältnisse, was zum Teil wirklich malerisch aussieht! „Super Burnout“ für Ataris Jaguar lässt hier grüßen!

Hier werden Besitzer eines älteren PCs reichlich Feintuning betreiben müssen.

Aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Trotz der schönen Lichteffekte ist das Spiel grafisch insgesamt nicht gerade eine Augenweide, egal in welchem Modus. Der sterilen Optik hätten etwas mehr und vor allem abwechslungsreichere Texturen definitiv nicht geschadet. Das gleiche gilt für die Deko entlang der Strecken, mehr Variation bei Bäumen, Büschen und Schildern (Wie bei „Hang-On“ eben) würde hier echt gut tun. Und obwohl das Spiel optisch keinen Blumentopf gewinnt, braucht man dennoch einen relativ starken PC um nicht auch noch Details herunter schrauben zu müssen! Mein Notebook mit i7-3630QM und Geforce GT650M schaffte jedenfalls selbst auf beinahe niedrigsten Detailgrad keine stabilen 60 Bilder pro Sekunde, der neue Desktop hatte glücklicherweise keine Probleme mehr damit. Da hilft auch der optional zuschaltbare Röhrenfernseh-Filter nicht, ohne Dampf unter der Haube zündet es einfach nicht so gut.

Der CRT-TV-Filter für noch mehr Retrocharme

Was das Gameplay angeht, düst das über 30 Jahre alte Vorbild dem Rookie hier mit Turboboost davon: Bremsen sind hier völlig überflüssig, jede Kurve ist durch kurzes lockern des Gaszugs zu meistern, schnelle Kurvenkombinationen sucht man vergebens. Die Gegner fahren alle fest geradeaus auf ihren Spuren, keiner lenkt nach rechts oder links. Das macht das Spiel trotz der sehr knappen Zeitlimits nicht gerade zu einer Herausforderung fürs Leben, recht schnell hat man alle Kurse bezwungen, mit Ausnahme dessen der alle 36 Abschnitt vereinigt vielleicht. Wer sich trotzdem schwer tut, schaltet den „Easy Mode“ ein.

Nicht dass das jetzt falsch rüber kommt: „Super Night Riders“ macht Spaß und hat auch eine gehörige Portion Retrocharme in der Gepäcktasche. Das Spiel mag grafisch etwas lieblos wirken, man spürt aber dennoch viel Liebe zu den Vorbildern darin. Deren Klasse erreicht „Super Night Riders“ insgesamt (noch) nicht, das Potenzial dazu hat es aber auf alle Fälle, hoffen wir dass der Entwickler es noch nutzt und das Spiel noch besser macht!

Weltweit achter Platz, das kann sich doch (hoffentlich) sehen lassen!

Einen Multiplayermodus gibt es übrigens nicht, wer sich mit anderen Fahrern messen will, tut dies ganz klassisch in der Highscoreliste, die heutzutage aber natürlich online und weltweit geführt wird.

Das Spiel ist für die Xbox One und den PC über Steam erhältlich, letzteres sowohl für Windows als auch für MacOS und Linux.

Aktuell ist es sogar für 3,99€ bei Steam im Angebot!

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