YesterPlay: Battle Frenzy (Mega Drive, Domark, 1994)

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Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich „Battle Frenzy“ („Bloodshot“ im englischsprachigen Raum) in den Geschäften aus dem Regal nahm, mir die Screenshots ansah, eine Weile überlegte und es dann doch irgendwie instinktiv wieder zurückstellte und mein Erspartes in ein anderes Spiel investierte. Dabei sah das, was da auf der Packung gezeigt wurde, gar nicht übel aus. Aber mein Spieler-Instinkt sagte mir, dass ein Spiel dass so oft im Angebot war und dennoch in so großen Stückzahlen in den Läden stand, entweder in völlig utopischen Stückzahlen produziert worden sein musste, oder aber dass es einfach nicht gut sein konnte.

Da ersteres in Zeiten der eindeutig gezählten 16-Bit-Tage eher unwahrscheinlich schien, mutmaßte ich dass wohl zweiteres der Fall sein musste und machte weiterhin vorsichtshalber einen Bogen darum, konnte die Neugier und ein gewisses Interesse daran aber nie ganz ablegen.

Irgendwann stand ich wieder von den Mega-Drive-Spielen und musste feststellen, dass ich alles, was in meinem momentanen Budget war, schon kannte oder hatte. Bis auf… na klar, „Battle Frenzy“. Und da sich damals die Gelegenheit, Spiele zu kaufen, nur selten bot, weil es bei uns in der Nähe keinen Händler gab, der welche führte, ging ich das Risiko ein.

Glücklicherweise hatte mich mein Instinkt hier getäuscht, das Spiel ist gar nicht so übel wie ich befürchtet hatte, besonders wenn man die limitierten Fähigkeiten eines Mega Drive ohne Zusatzchips in Betracht zieht. Ganz im Gegenteil, „Battle Frenzy“ ist ein lupenreiner First-Person-Shooter der zumindest im würfeligen Aufbau der Level sehr an das 2 Jahre zuvor auf dem PC erschienene „Wolfenstein 3D“ erinnert.

Die Steuerung funktioniert dafür, dass hier nur ein Digitalkreuz und 3 Feuerknöpfe genutzt werden, auch recht gut, ist aber natürlich kein Vergleich zu einem PC mit Tastatur und Maus oder den modernen Gamepads mit 2 Analogsticks. Das Spiel verzichtet außer im Intro auf Musik und beschränkt sich auf erfreulich klare Sprachsamples, Soundeffekte und Hintergrundgeräusche, die eine erstaunlich passende und beklemmende Atmosphäre in den meist schmalen Korridoren erzeugen. Die Grafik erinnert in der Farbgebung sehr an zahlreichr Spiele auf dem Commodore Amiga, mit kräftigen Farben und schön gezeichneten Sprites. Das Kampfgeschehen nimmt dabei einen recht großen Teil des Bildschirms ein, den Rest das HUD. Ein minimales Ärgernis sind ein paar Texturenfehler, die auch hier im Video zu sehen sind. Die Mega-CD-Version des Spiels hatte diese nicht und bot auch während des Spiels Musik statt der Umgebungsgeräusche.

Mit 12 Levels ist „Battle Frenzy“ überschaubar lang (oder kurz), was den mangelnden Abwechslungsreichtum etwas entschärft. Und wenn man jetzt noch die gelegentlichen Framerate-Einbrüche tolerieren kann bekommt man ein überraschend vollwertiges und gutes Ballerspiel im Stile eines „Doom“, „Wolfenstein 3D“ oder „Rise Of The Triad“ auf dem zur Veröffentlichung doch schon recht betagten Mega Drive! Als Tüpfelchen auf dem i gibt es sogar noch einen 2-Spieler-Splitscreen, der allerdings die Toleranzschwelle für die Framerate nochmal etwas höher gesetzt sehen möchte.

Da die Auswahl an 3D-Shootern auf dem Mega Drive systembedingt eh nie groß war, ist „Battle Frenzy“ also schon fast ein Muss für Genre-Fans und Sammler, zumal es echt ein gutes Spiel ist! Man darf es eben nur nicht mit denen auf dem PC oder einem „Doom 2“ auf dem SNES vergleichen, das dank „Super FX 2“-Chip in einer anderen Liga spielte.

3 Kommentare

  1. Battle Frenzy habe ich gerne gespielt. Ego-Shooter-Favorit auf dem Mega Drive ist für mich zwar Zero Tolerance, aber dafür hatte Battle Frenzy etwas, dass mit ZT nicht bieten konnte – einen Split-Screen Multiplayer! Und das auf recht beschränkter Hardware wie dem Mega-Drive, wie genial ist das denn?

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