YesterPlay: Battle Race (MS-DOS, Soft Enterprises, 1995)

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Cover von „Battle Race“ für MS-DOS (Quelle: mobygames.com)

1995 war das Jahr der Antigrav-Rennspiele, „WipEout“ löste zuvor auf der Playstation einen regelrechten Boom an solchen Spielen aus, die danach in verschiedenen Ausprägungen auf verschiedenen Systemen auftauchten. Eines davon erstand ich damals mit der ersten Ausgabe des Magazins Spielhallen-Hits, einem Ableger der beliebten Reihe Bestseller Games: „Battle Race“ vom deutschen Studio Soft Enterprises kam seinerzeit exklusiv für den PC heraus und ähnelte auf den ersten Blick dem im gleichen Jahr erschienenen „Slipstream 5000“ (auch für MS-DOS).

Cover der ersten Ausgabe der Spielhallen-Hits, der das Spiel bei lag (Quelle: kultboy.com)

Ähnlich wie im Konkurrenztitel galt es hier mit einen irdischen oder außerirdischen Piloten nach Wahl (der Gleiter ist hier unabhängig wählbar) Rennen durch enge Tunnel und Schluchten zu gewinnen, dazwischen das eigene Schiff weiter und weiter aufzurüsten und schlussendlich die Trophäe für die gewonnene Meisterschaft einzukassieren. Bei der Aufrüstung des Gleiters konnte man aus deutlich mehr Möglichkeiten die richtigen herauspicken, durfte dabei aber die maximale Zuladung jedes Gleiters nicht aus den Augen lassen, die natürlich für jedes Modell unterschiedlich war.

Im Verlaufe des Spiels düst man durch verschiedenste Umgebungen, z.B. durch heisse Lavatunnels…

Die Rennen wurden vornehmlich in unterirdischen Tunnelsystemen auf 4 verschiedenen Planeten gefahren, eher selten düsten die Gleiter auch mal an der frischen Luft herum, das Spiel war also nichts für Klaustrophobiker. Mehrspieler kamen dank Unterstützung von IPX-Netzwerken auf Ihre Kosten, bis zu 8 todesmutige PC-Piloten konnten sich durch die engen Röhren hetzen. Musikalisch begleitet wurden sie dabei von echt gelungener CD-Audio-Musik, die deutlich mehr Adrenalin förderte als die Midi-Musik bei „Slipstream 5000“! Die Grafik-Engine unterstützte neben Virges S3d und Elsas Victory 3D noch Grafikbeschleuniger des Typs 3D Blaster, ohne einen solchen war das Spiel seinerzeit leider meist wenig ansprechend: In VGA sahen die ohnehin nicht so schönen Texturen sehr bescheiden aus, SVGA ohne 3D-Beschleunigung konnten nur wenige PCs damals stemmen. (Heute und dank DOSBox ist das glücklicherweise kein Problem mehr.)

… frostige Schneeröhren…

Wer mit etwas Pixelmatsch leben oder einen ausreichend flotten Rechner sein Eigen nennen konnte, bekam jedenfalls ein sehr schnelles Rennspiel präsentiert, das im weiteren Verlauf, mit entsprechenden Upgrades für den Gleiter der Wahl, immer schneller und schneller wurde. Um den Unterschied zu verdeutlichen habe ich im Video das erste Rennen einer neuen Saison aufgenommen und dann einen Spielstand geladen, der schon deutlich weiter fortgeschritten ist und in dem der Renngleiter bereits fast maximal aufgerüstet ist. Wem die dreidimensionale Steuerung dabei zu viel war, konnte optional auch dem Computer die vertikale Lenkung überlassen und sich nur auf das Lenken nach rechts und links beschränken. Der Schwierigkeitsgrade des Spiels war aber generell sehr moderat, so dass man schon extrem oft anecken musste um tatsächlich nicht aufs Podium zu kommen, ich spiele hier im Video mit mittlerer Schwierigkeit und selbst auf diesem Niveau sind Überrundungen der Gegner von Anfang an kein Problem.

… und hin und wieder durch kurze Stadtpassagen

Mein persönliches Highlight des Spiels war damals übrigens trotz der sehr guten Musik, den animierten Menüs und der schnellen Rennaction der Abspann, in dem eine verkürzte Version des Songs „Hellcome in Heaven“ vom Album „Wrong Time, Wrong Place“ der deutschen Speed-Metal-Band „Squealer“ lief. Oft startete ich das Spiel nur um es direkt wieder zu beenden und den Abspann anschauen zu können. 🙂

Cover des Squealer-Albums „Wrong Time, Wrong Place?“

Leider blieb dem Spiel der große Durchbruch verwehrt, es wurde nicht so populär wie das spielerisch recht ähnliche „Slipstream 5000„. Daran konnte auch ein modernisierter Re-Release 2001 für Windows als „Battle Race 3D“ nichts ändern und so verschwand es in der Versenkung, wo es bis heute auf eine weitere Chance bei GOG und Konsorten wartet. Und die hätte es, meiner Meinung nach, auf jeden Fall verdient!

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