YesterPlay: Fatal Racing (MS-DOS, Gremlin Interactive, 1995)

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„Wer bremst, verliert!“ – Diese einfache Binsenweisheit ist bei „Fatal Racing“ sowohl Untertitel als auch Programm: Das Spiel toppte alle bis dato veröffentlichten Arcaderennspiele durch sein noch dynamischeres und actionreicheres Gameplay. Loopings, Kreuzungen, Spiralen, Sprünge, Gruben, ein- und ausklappende Rampen… wer hier nicht auf zack ist, hat kaum eine Chance!

Ihr tretet im Spiel als Fahrer für einen von 8 fiktiven Rennwagenherstellern an. Die Autos ähneln sich optisch sehr, fahren sich aber alle recht unterschiedlich. Sie werden alle ausführlich durch Infografiken und eine weibliche Stimme in der Wagenauswahl präsentiert. Je nach Einstellung sind bis zu 16 Fahrer / Autos an einem Rennen beteiligt, pro Team also bis zu 2 Fahrer. Während des Rennen erhaltet ihr von Eurem Teamkollegen immer wieder Nachrichten, könnt ihm aber auch Welche zukommen lassen (Tasten F5 – F8) und so auch indirekt den Rennverlauf beeinflussen. Die Teams verhalten sich im Rennen auch unterschiedlich, einige versuchen einfach möglichst schnell zu sein, andere sind voll auf Krawall gebürstet und versuchen zu rammen, was das Zeug hält, eines fährt sogar gerne bewusst falsch herum um Gegner frontal aufs Korn nehmen zu können!

Neben den Einzelrennen ist der Meisterschaftsmodus die eigentliche Kernkomponente des Spiels. Nur hier kann man nach dem Sieg im noch recht zahmen und konventionellen „Gremlin Cup“ weitere Strecken im „Premier Cup“ freischalten, die das volle Potenzial des Spiels erst richtig zur Geltung bringen. Spätestens jetzt werden die Strecken anspruchsvoll und wenn man nicht gerade den Schwierigkeitsgrad „puppig“ eingestellt hat, kommt verstärkt eine taktische Komponente mit ins Spiel: Hat man sich beispielsweise eher für ein robustes aber dafür langsameres Fahrzeug entschieden, kann es beispielsweise mehr Sinn machen, möglichst viele gegnerische Fahrzeuge zu zerstören und so Punkte zu machen als auf Teufel komm raus zu versuchen, den 1. einzuholen. Auch eine Strategie für Boxenstops sollte man parat haben, denn das eigene Fahrzeug nimmt auch bei jeder Kollision oder unsanften Landung Schaden und einige Rennen wird man ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad kaum heil an einem Stück schaffen! Pro Rennen hat man maximal 3 Fahrzeuge / Versuche.

Wer den „Premier Cup“ auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad („Unmöglich“) schafft, darf sein Glück dann noch auf den total abgedrehten Strecken des „Bonus Cup“ versuchen.

Ihr merkt vielleicht: Das Spiel hat für ein Arcade-Rennspiel recht viel Tiefgang. Wenn jetzt die Präsentation noch passen würden…

Sie passt! Das Spiel wird wahlweise in VGA oder SVGA dargestellt, einzelne Details sind recht vielseitig einstellbar. Unterstützung für verschieden 3D-Beschleuniger wurde später per Patch nachgerüstet. Die Musik kommt entweder von CD-Rom (empfohlen) oder als Midi, ist nichts besonderes aber tut auch nicht weh. Bereits das Geräusch beim Anlassen des Motors beim Start oder nach einem Boxenstop machen immer wieder Freude, die restlichen Geräusche wissen ebenfalls zu gefallen. Einzig die „Huuuuiiiii!“-Samples oder Schreie bei Loopings und Sprüngen können irgendwann etwas nerven, weniger wäre da mehr gewesen. Die Steuerung ist ausreichend beliebig anpassbar und reagiert sehr präzise.

Neben einigen per Cheat freischaltbaren Inhalten ist der Multiplayermodus das Tüpfelchen auf dem „i“: Entweder per Splitscreen an einem PC, oder noch besser mit mehreren Spielern im Netzwerk kommt echte Gaudistimmung auf, die Jagd nach immer neuen Rundenrekorden hat schon einige Stunden gekostet!

Ich denke es wird langsam klar: „Fatal Racing“ ist eines der besten Rennspiele, die auf dem PC für MS-DOS je heraus kamen! Die beste Mischung aus „Bleifuss„, „Stunts“ und „Destruction Derby“, könnte man sagen. Das Spiel präsentiert sich für sein Alter sehr modern, es bot damals bereits alles, was man noch heute in einem Arcade-Rennspiel erwarten würde. Die Spieltiefe ist dabei beinahe enorm, lässt aber zu keiner Zeit den puren (Fahr)Spaß vermissen. Wer also (alte) Rennspiele mag, kommt an diesem hier definitiv nicht vorbei!

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