YesterPlay: Rise 2 – Resurrection (MS-DOS, Mirage Software, 1996)

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Boxart von „Rise 2: Resurrection“ für den PC

Spieler und Presse sind sich einig: „Rise Of The Robots“ ist eines der schlechtesten (Prügel)Spiele aller Zeiten. Viel versprochen, fast nichts davon gehalten und den Rest total versemmelt! Einzig die Inszenierung mit vielen spektakulären Rendervideos wusste zu gefallen.

Entsprechend skeptisch aber neugierig ging ich also die Installation des Nachfolgers an, die erfreulich schnell und sehr kompakt ist: Das Spiel legt nur Einstellungen und Punktestände auf der Festplatte ab, der Rest läuft komplett von der CD.

Leider verzichtet Mirage hier beinahe völlig auf FMV- oder sonstige Intro-Sequenzen im Spiel, einzig im Demo-Modus und nach dem Sieg gegen den Endgegner werden kurze Animationen der Roboter gezeigt. Hätte ich das Spiel nicht eben selbst von der Original-CD installiert, hätte ich geglaubt, einen Rip von irgendeiner Abandonware-Seite zu spielen. Wer also wissen will, was überhaupt Sache ist, kommt nicht um einen Blick ins Handbuch herum.

Schrödingers Soundtrack: May or May not be from Brian May

Als eine Art Running Gag wurde auch diesmal auf der Box wieder mit Musik von Brian May geworben, wie schon beim Vorgänger beschränkt sich sein tatsächlicher Beitrag aber wieder auf nur einen Song („Cyborg“), den man im Hauptmenü zu hören bekommt. Aber das fällt eigentlich gar nicht auf, denn der Soundtrack der Inhouse-Musiker, der nun auch während der eisenhaltigen Kloppereien erklingt, passt mindestens ebenso gut ins Spiel und ist gar nicht mal schlecht.

Ladebildschirm, der etwas an „Mortal Kombat 3“ erinnert

Und das gilt, man höre und staune, für das komplette Spiel! Bonuspunkte für Originalität gibt es keine, denn Mirage stibitzte einfach zahlreiche Elemente aus diversen populären Prügelspielen: So z.B. das Steuerungsschema und die Supermeter aus „Super Street Fighter 2„, die Supercombos aus „Killer Instinct“, Blut-/Öl-Spritzer und die Exekutionen aus „Mortal Kombat“, interaktive Arenen mit Fallen aus „One Must Fall 2097“, etc. Aber das ganze wurde mit einer deutlich erweiterten Auswahl an durchaus ansprechend designten Büchsenprüglern, bis zu 3 Continues, teilweise animierten Hintergründen, mehr Special Moves und einer verbesserten KI zusammengeworfen und heraus kam dabei ein durchaus unterhaltsames Spiel!

Deadlift vs. Vandal vs. eine Säge, die zum Level gehört

Man darf nun natürlich nicht das andere Extrem erwarten: Hin und wieder verfällt die KI wieder in eine Art Schleife, die man nur durch Variation der eigenen Attacken unterbrechen kann. Dennoch verlaufen die Kämpfe in „RISE2“ deutlich dynamischer und abwechslungsreicher als im Vorgänger. Ein perfektes Balancing aller Roboter im Multiplayer sucht man auch vergeblich, aber in welchem Prügelspiel ist das nicht so? Das größte Manko sind diesmal die diversen Special Moves: Nicht nur dass sie nicht alle im Handbuch aufgeführt sind und man die meisten selbst heraus finden soll. Nein, hier ist das Timing auch noch extrem kritisch. Denn während in so gut wie jedem anderen Prügelspiel z.B. eine Viertelkreisdrehung mit einem Tastendruck abgeschlossen wird, also beispielsweise unten, unten-rechts, rechts, A muss man hier die Taste im gleichen Augenblick wie die letzte Richtungstaste drücken, also unten, unten-rechts, rechts + A! Das ganze spielt sich längst nicht so flüssig und zuverlässig wie in anderen Spielen, funktioniert aber noch einigermaßen gut.

Auch so gar nicht flüssig ist die Übersetzung ins Deutsche: Am Ende des Kampfes steht im Original das imperative „SIEGE“ statt „SIEGT“, die erste erfolgreiche Attacke wird als „Erster Treffel“ angezeigt, in den Exekutionsscreens steht reiner Kauderwelsch… Gut dass man das Spiel in DOSBox mit einem CD-Image spielen kann, denn so kann man die Übersetzungsdatei (RISE.GER im Verzeichnis RISE2 auf der CD) von diesem herunter kopieren, bearbeiten, wieder zurück kopieren und sich an der korrigierten Übersetzung erfreuen.

Im Gegensatz zum Erstling, der für sehr viele Systeme portiert wurde, kam „RISE2“ außer für den PC nur noch für die Playstation und den Saturn heraus. In diesen beiden Versionen fehlen meines Wissens die animierten Hintergründe, was die PC-Version zur wohl schönsten Version des Spiels macht. Exklusiv für MS-DOS erschien auch von „RISE2“ wieder ein Directors Cut auf 2 CDs, neben diversem Bonusmaterial enthält dieser auch 2 weitere spielbare Charaktere. Leider ist er extrem selten und entsprechend teuer. Auf Steam, GOG und Konsorten sucht man das Spiel bis heute vergeblich.

Schade, denn auch wenn „RISE2“ sicherlich nicht das beste Prügelspiel für MS-DOS ist, ist es noch viel weiter davon entfernt so schlecht wie sein Vorgänger zu sein. Es macht vieles anders als „ROTR“ und das meiste davon deutlich besser und ist immer wieder mal für die eine oder andere spaßige Runde Altmetallerzeugung gut!

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