Auf in die Schlacht gegen den #PileOfNothing: Evoland 2: A Slight Case of Spacetime Continuum Disorder

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Ein Rollenspiel??? Ich??

Wer ein bisschen hier aufgepasst hat wird vielleicht bemerkt haben, dass Rollenspiele hier eine extrem untergeordnete Rolle spielen (OK, 5 Credits in die Wortspielkasse!) und eher arcadige Spiele dominieren: Kurze, schnelle, actionreiche Spiele, die  weniger Wert auf Story und Charakterentwicklung legen sondern eben einfach nur kurz, schnnell und actionreich sind. Es ist nicht so, dass ich Rollenspiele generell nicht mag, mir mangelt es eher an Zeit und Geduld dafür. In der Zeit, die andere dafür anwenden um den Skilltree Ihres Hauptcharacters in einem Spiel zu optimieren, spiele ich lieber zwei, drei andere Spiele (durch). Ist halt so.

Das Logo von Goldfuchs’ Challenge 2018

Wie ihr aber vielleicht auch mitbekommen habt, läuft gerade Goldfuchs’ Jahreschallenge #PileOfNothing, die zum Ziel hat, dass jeder Teilnehmer dieses Jahr mindestens 12 Spiele verschiedener Genres durchspielt, um den immer größer werdenden “Stapel” (sofern man das in Zeiten digitaler Distribution noch so nennen kann)  an ungespielten Spielen etwas abzubauen, der sich bei all den Sales und Angeboten bei Steam, GOG, etc. über die Monate so aufgebaut hat. Für den Januar hat Goldfuchs nun eben das Genre des Rollenspiels festgelegt, die Wahl des Subgenres (JRPG, Action-RPG, etc.) bleibt dabei jeweils den Teilnehmern überlassen.

Ich habe diese Aufgabe für mich persönlich mit dem Sekundärziel verknüpft, erst gar nicht mehr so viele Spiele auf diesen Stapel kommen zu lassen. Und bisher gelingt es mir ganz gut, ich habe den kompletten bisherigen Januar kein einziges Spiel gekauft!

Die Wahl der Waffe(n)!

Und auch die Hauptmission des Monats konnte ich erfolgreich abschließen: Ich bin Goldfuchs’ Aufruf gefolgt, habe mir ein Schwert gepackt und wurde zum Helden! Und zwar im 2015 veröffentlichten “Evoland 2: A Slight Case of Spacetime Continuum Disorder”!

Mein digitales Heldentum ist in zweierlei Hinsicht etwas besonderes: Zum einen weil mich tatsächlich einmal hingesetzt und ein Spiel konsequent durchgespielt habe, was schon selten genug ist. Zum anderen, weil ich, abgesehen vom Vorgänger, bisher kein solches Spiel durchgespielt habe. Wie gesagt, ich bin nicht gerade ein Fan von Rollenspielen, noch weniger von JRPGs und bis heute habe ich weder irgendein “Zelda”, “Chrono Trigger” oder “Secret Of Mana”, noch ein “Final Fantasy”, “Secret Of Evermore” oder “Phantasy Star” gespielt. Gut, streng genommen ist “Evoland 2” auch kein JRPG, da das Entwicklerstudio Shiro Games aus Frankreich kommt. Aber spielerisch schöpft es mit vollen Kannen aus den Brunnen japanischer Rollenspielgefilde, es versucht ganz bewusst ein Klon der genannten Spiele zu sein, nimmt sich dabei aber alles andere als ernst. Und von solchen Spielen bin ich wiederum ein großer Fan!

Durch das Feuer und die Flammen! Und durch die Zeit!

Wie bereits im Vorgänger ist das auffälligste Merkmal des Spiels die unterschiedlichen Grafikstile, die sich ständig abwechseln. Im Vorgänger wurde die Grafik einfach im Laufe des Spiels immer moderner, diesmal verläuft die grafische Entwicklung nicht einfach linear, sondern ist an die Zeit gebunden, jeder Grafikstil repräsentiert nämlich eine bestimmte Epoche der Spielwelt: Die Antike wird in klassischem Gameboy-Look dargestellt, die jüngere Vergangenheit erinnert grafisch an das NES, die Gegenwart findet im SNES-Stil statt und die dreidimensionale Zukunft sieht ein bisschen nach Playstation aus. So wird bereits optisch einigen Klassikern des Genres gehuldigt.

Aktivieren wir in der pixeligen Vergangenheit diesen Magilithen…

Der volle Name des Spiels deutet es aber bereits an: Die Zeitanschnitte finden nicht einfach chronologisch nacheinander statt, sondern man springt immer wieder zwischen ihnen hin und her. Einige Gebiete und Orte sind zu jeder Zeit begehbar, andere wiederum nicht. Auch die jeweiligen Fähigkeiten unserer drei festen Begleiter, die sich neben ein paar temporären Mitstreiter bereits früh im Spiel um uns versammeln, haben Einfluss darauf, wann und wo wir wohin gelangen können. Ein einfaches Beispiel: Ein Bereich der Hauptinsel ist in der Gegenwart (SNES-Zeit) lange nicht zugänglich, weil wir den Zugang in der Vergangenheit (NES-Zeit) mit der Spezialfähigkeit eines unserer Begleiter versperrt haben. Erst in der Zukunft (Playstation-Zeit) können wir mit gefundenem Maana dessen Fähigkeiten verstärken (aufleveln, wie man neudeutsch so schön sagt) lassen um dann das Hindernis ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

… befördert der uns direkt in die dreidimensionale Zukunft.

Klingt verwirrend? Ja, das kann es manchmal auch werden. Besonders da es kein Questlog gibt, keine Markierungen auf der Weltkarte, keinen Kompass, der Euer nächstes Ziel anzeigt. Deshalb kam es durchaus auch vor, dass ich etwas planlos auf der Map herumirrte, weil ich gerade nicht genau wusste, wen ich jetzt wann mit was aufsuchen sollte.

Gotta go fast!

Aber wer suchet, der findet, und findet sie/er nicht sein eigentliches Ziel, so findet sie/er doch immer wieder sehr lustige Anspielungen auf Popkultur und ganz besonders auf berühmte Videospiele. Überall im Spiel sind bekannte Gegenstände und Charaktere versteckt, mal mehr mal weniger direkt. Zum Beispiel hängen in einem Shop mehrere bekannte Schwerter und Schilde an einer Wand, oder mehrere Bewohner erzählen von einem grün gewandeten Jungen, der einfach ins Haus stürmte und laut “Hi-Jah! Hi-Jah!”-schreiend die Töpfe der Besitzerin zerschlug oder der die Hühner eines anderen Bewohners im ganzen Dorf herum scheuchte. Klar, hier wird auf Link aus der beliebten “Legend Of Zelda”-Reihe angespielt, die dem Spiel als offensichtlichstes Vorbild dient.

Ein Rollenspiel fällt aus der Rolle!

(Nochmal 5 Credits in die Wortspielkasse!)
Wieso liegt hier nirgends ein Hammer herum?

Damit “Evoland 2” aber nicht zu einem reinen Zelda-Klon wird, haben sich die Entwickler jede Menge Gags und Abwechslungen einfallen lassen, mit denen sich das Spiel positiv von seinen Vorbildern abhebt. Hin und wieder wechselt das Spiel zum Beispiel in die Seitenansicht und wird zu einem astreinen Platformer oder einem Rooftop-Runner-Verschnitt, an anderer Stelle verwandelt es sich in einen lupenreinen Bullet-Hell-Shooter, es gibt Bosskämpfe im Mega-Man-Stil und noch einige andere Spielmodi, die ich an dieser Stelle aber nicht alle spoilern will.

Zug um Zug im Kampf um Demonia. Wenn es denn sein muss…

Weiterhin sorgen, neben vielen versteckten Kisten mit Sammelsternen und -Karten, zahlreiche Minigames immer wieder für Spaß und Abwechslung. Da werden Videospielklassiker schnell mal zum Turing-Test, mit dem ihr beweisen müsst dass ihr menschlich seid, umfunktioniert oder einer der vielen NPCs zu einem Kartenspiel herausgefordert, um möglichst eine der 61 im Spiel versteckten Karten zu gewinnen. So kommt eigentlich nie wirklich Langeweile auf, ein paar Längen gibt es aber schon.

Ein paar Dellen in der Rüstung, aber nichts ernstes

Zum Beispiel hätten die rundenbasierten Abschnitte, die an zwei Stellen im Spiel vorkamen, gerne kürzer ausfallen dürfen. Im ersten spielt sich das Spiel ähnlich wie z.B. “Pokemon”, im zweiten eher wie ein “Heroes Of Might And Magic”. Die Umsetzung ist jeweils einwandfrei gelungen, da gibt es nichts, aber ich mag Rundenstrategie einfach nicht besonders, mir ist das Gameplay einfach zu zäh.

Auch hätten es mir persönlich ein paar Sterne und Spielkarten weniger voll genügt, zumal einige Gegner wirklich extrem harte Nüsse sind, die selbst mit guten Karten nur schwer zu knacken sind. Aber da das Sammeln dieser Extras optional ist und keinen Einfluss auf die Geschichte hat, darf jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er die Sammlung treiben will.

Etwas mehr hätte ich mir dafür im Bereich Soundtrack gewünscht, die stimmungsvolle Musik passt super zum Spiel, aber nach ca. 20 Stunden Spielzeit würde man die eine oder andere Hintergrundmusik doch gerne mal weiter drücken, wenn das denn ginge.

Von diesen paar (subjektiven) Kleinigkeiten abgesehen ist “Evoland 2: A Slight Case of Spacetime Continuum Disorder” aber ein wundervolles und vor allem witziges Rollen(-und-andere-Genres-)spiel, dass vor allem Retro-Fans durch die unzähligen Anspielungen auf und einfallsreichen Adaptionen andere(r) bekannte Figuren und Elemente der Videospiel- und Popkultur begeistern kann! Viele der Referenzen (er)kannte ich gar nicht, weil ich die Spiele / Filme / Serien, auf die sie verweisen, nicht kenne. Für alle interessierten existiert in der Community des Spiel auf Steam eine lange Liste, in der sie aufgeführt sind. Und selbst die ist nicht komplett!

Quest abgeschlossen!

Geschafft! Aber nur 78% aller Gegenstände gefunden. Das geht besser…

Ich habe das Spiel ursprünglich mit 78% beendet, hatte also ein gutes Viertel der im Spiel zu findenden Gegenstände noch gar nicht gefunden, auch waren alle meine 3 Begleiter noch nicht völlig “aufgelevelt”. Aber das Durchspielen alleine hätte genügt, um meine “Quest” für Januar erfolgreich abzuschließen.

Aber ich bin dennoch weiter auf die Suche nach den fehlende Teilen gegangen und bin aktuell bei 97% angelangt. Und wurde mehrfach belohnt! Nicht nur dass ich inzwischen fast alle Sterne und Karten gefunden habe, was in Steam mit entsprechenden Achievements belohnt wird. Ich habe sogar noch Bereiche entdeckt, in denen ich vorher nie war, meine Begleiter maximal verstärkt, was wirklich coole neue und sehenswerte Attacken freigeschaltet hat und noch bessere Ausrüstung gefunden! Es lohnt sich also auf jeden Fall, etwas außerhalb der eigentlichen Story nach Geheimnissen zu stöbern, bevor man sich dem Endgegner stellt! Wenn jemand, der mit JRPGs sonst eher gar nichts anfangen kann, so etwas tut, sollte das doch Beweis genug für ein gutes Spiel sein, oder?

Wer sich selbst davon überzeugen möchte: “Evoland 2” ist für Windows und MacOS bei Steam und im Humble Store für jeweils 19,99€ , bei GOG für 16,99€ und bei Amazon gar für nur 14,69€ erhältlich. Eine Deluxe-Version mit digitalem Artbook und Soundtrack gibt es für ein paar Euro mehr auch. Für Sammler existiert sogar ein schickes DVD-Digipack, z.B. auf Amazon (Reflink) für 19,69€:

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Video gibt es diesmal keins, ich will nicht noch mehr spoilern als ich ohnehin schon getan habe.

3 Kommentare

  1. Evoland 2 liegt noch auf meinem Pile. Obwohl mir Teil 1 mir schon sehr gut gefallen hat fürchte ich, dass es da noch ein wenig liegen wird (Sooo viele Spiele, aber so wenig Zeit). Ich finde die Challenge super, da man sich so selbst eher dazu zwingt, sich wirklich hinter ein Spiel zu klemmen. Das Letzte RPG, welches ich vor der Challenge durchgespielt habe, war Dark Cloud II für die PS2. Nicht aber in der Retrospektive, sondern als die PS2 noch aktuell war 🙂

    1. Verstehe ich auch nicht so ganz, das Spiel wäre von der Größe her ideal als Downloadtitel, es kann komplett mit Controller gespielt werden, hat sehr moderate Hardwareanforderungen – das perfekte Konsolenspiel eigentlich. Und es ist auch noch wirklich gut und macht Spaß! Vielleicht fürchtet man die Konkurrenz “ernsthafter” JRPGs auf den Konsolen?

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