YesterPlay: Mortal Kombat (CD-Version für MS-DOS, Midway,1996)

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Voderseite der Big Box von “Mortal Kombat” für MS-DOS (Quelle: mobygames.com)

Ist das auch schon wieder 25 Jahre her? Tatsächlich, gestern vor 25 Jahren, am 1993-09-13, wurden in den USA zeitgleich die Konsolenversionen des bisher kontroversesten Prügelspiels aller Zeiten veröffentlicht, das bereits ein Jahr zuvor in den Spielhallen für Aufsehen sorgte. Und das nicht nur bei Videospielfans! Während Eltern, Pädagogen und Politiker entsetzt Sturm gegen das Spiel liefen, was 1994 schließlich zur Gründung des Entertainment Software Rating Board (ESRB) führte, fuhr Publisher Acclaim für dieses “Mortal Monday” getaufte Event sämtliche Geschütze auf: TV-Werbung, Poster, Zeitschriftenwerbung, Musik-CDs, etc. Mit Erfolg: “Mortal Kombat” wurde ein gigantisches Franchise mit inzwischen über 20 Spielen, mehreren Filmen, TV-Serien, Comics, Büchern und vielem mehr.

Werbung zum “Mortal Monday”, an dem in den USA die Konsolenversionen für MD, SNES, GG und GB erschienen

Diesen Erfolg auf die reine Gewaltdarstellung zu reduzieren, würde der Reihe allerdings nicht gerecht werden. Natürlich war sie ein wesentlicher Faktor, der die Popularität steigerte. Aber “Mortal Kombat” konnte von Anfang an auch durch höchste spielerische Qualität und zahlreiche Innovationen überzeugen und drückte dem Genre in vielerlei Hinsicht seinen drachenförmigen Stempel auf. Die Grafik suchte damals ihresgleichen und die genial einfache aber einfach geniale Steuerung gewährleistete eine extrem geschmeidige Spielbarkeit, in kaum einem anderen Spiel ließen sich alle Attacken so gezielt und sinnvoll einsetzen und kombinieren wie hier. In der Folgezeit versuchten zahlreiche Spiele, die Erfolgsformel von “Mortal Kombat” für sich nutzbar zu machen, doch zu viele davon konzentrierten sich dabei auf die Zurschaustellung von Gewalt, zu wenige versuchten tatsächlich die Qualitäten zu kopieren.

FIGHT!

Wir wissen alle, was jetzt passieren wird. Oh Johnny, hoffentlich hattest Du die Familienplanung schon abgeschlossen…

Die frühen 90er waren nicht nur, “Street Fighter 2” sei Dank,  durch eine wahre Schwemme von Prügelspielen geprägt, sie waren bekanntlich die Ära der 16-Bit-Konsolen und damit auch der häufig unter “Konsolenkrieg” kategorisierten Debatten, ob jetzt beispielsweise der Mega Drive oder das Super Nintendo die bessere Konsole war. Natürlich entbrannte diese Diskussion auch bei so ziemlich jedem Titel, der für beide Systeme erschien und “Mortal Kombat” machte da selbstverständlich keine Ausnahme. Noch heute wird im Netz darüber diskutiert, ob nicht die Version für Super Nintendo die definitiv bessere wäre, würde der nicht sämtliche grobe Gewaltdarstellung abgehen.

Hatten PC-Spieler dieser Tage oft eher wenig zu lachen, wenn es um gute Prügelspiele ging, hätten sie diesmal aber sogar mit einem fetten, breiten Grinsen an der Diskussion teilnehmen können. Denn die PC-Version von “Mortal Kombat” musste sich nicht nur nicht hinter den Konsolenversionen verstecken, sondern mauserte sich über die kommenden zwei Jahre zur definitiv besten Heimumsetzung des Spielhallenhits!

FINISH HIM!

Alle drei Kämpfe darf man seine Macht testen, indem man etwas zerstört.

Von November 1993 bis Januar 1996 gab es gleich mehrere Versionen für DOS, die ersten wurden noch auf Disketten ausgeliefert, hatten einen MIDI-Soundtrack und zum Teil gerade im Audiobereich ein paar Bugs. Diese waren zwar auch schon gute Umsetzungen, die letzte und ultimative Version des Spiels war aber die 1996 auf CD im Bundle mit dem zweiten Teil veröffentlichte, die auch hier im Video zu sehen ist. Eine detaillierte Übersicht mit Vergleichen aller Versionen findet Ihr übrigens bei Cloaked Thargoid. Diese auf CD veröffentlichte Version ersetzte, neben anderen kleineren Verbesserungen, die Musik durch die der Automatenversion und lief etwas schneller und flüssiger als die Diskettenversion. Dadurch war das vorher grafisch schon so gut wie identische Spiel für das ungeübte Auge und Ohr kaum noch von der Spielhallenversion zu unterscheiden, zumal das immer etwas verschwommene Bild der Röhrenmonitore die wenigen Unterschiede ganz gut kaschierte. Probe Software gelang hier wirklich nahezu eine 1:1-Umsetzung von Midways Automatenversion!

Ein Klassiker: Gegenseitige Vereisung

Einzig bei de Steuerung musste man am PC, wie so oft, Abstriche hinnehmen: Joysticks mit bis zu 4 Tasten wurden zwar unterstützt, was ähnlich gut funktionierte wie auf den Konsolen oder am Automaten. Wollte man allerdings zu zweit mit Joysticks spielen, konnte man maximal 2 Tasten am Stick nutzen oder musste parallel die Tastatur zu Hilfe nehmen. Lobenswerterweise wurden in dieser Konstellation im Gegenzug einige der Specials Moves vereinfacht, damit sie auch mit nur 2 Tasten ausgeführt werden konnten.

Zu schade, dass Arcadesticks damals noch nicht für den PC erhältlich waren, ein solcher hätte die Illusion perfekt machen können. Heute ist das, dank DOSBox, kein Problem mehr, dort lassen sich dank des eingebauten Mappers alle Tastatureingaben auch auf Joysticks oder Gamepads umlegen. Was auch nötig ist, denn bis heute gibt es mit DOSBox Probleme, wenn dort die Zyklen auf “Max” stehen und/oder man zwei Joysticks nutzen will. Deswegen empfehle ich hier, die Steuerung direkt auf Tastatur zu belassen und sich die Tasten auf den Controller zu mappen. Läuft einwandfrei!

COME HERE!

Ein Screenshot der Spielhallenversion…
… und einer der DOS-Version

Neben dem PC, dem Mega  Drive und dem Super Nintendo kamen 1993 noch Besitzer eines Game Boy, Game Gear oder Master Systems in den Genuss von “Mortal Kombat”, kurze Zeit später erschienen auch die Versionen für Commode Amiga und Mega CD. Die limitierte Edition von “Mortal Kombat: Deception”, das 2004 für PS2 und Xbox erschien, enthielt einen Port der Arcade-Version, ebenso die 2006 für den PC veröffentlichte “Midway Arcade Treasures Deluxe Edition”.

GET OVER HERE!

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Das Bundle der drei DOS-Versionen auf GOG

Wer heute noch das Vergnügen haben möchte, die klassische Trilogie zu spielen, bekommt bei GOG die MS-DOS-Versionen der ersten drei Teile der Serie als Bundle für ein paar wenige Euro, zumindest sofern er/sie nicht in Deutschland wohnt oder in der Lage ist, einen VPN-Zugang zu nutzen. Das ist auch die Version, die ich spiele und die hier im Video zu sehen ist.

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Die “Mortal Kombat Arcade Kollection” für PS3, Xbox 360 und Steam.

Wem die originalen Spielhallenversionen lieber wären, kann deren Ports für jeweils ca. 10 Euro in der “Mortal Kombat Arcade Kollection” für Xbox Live (Xbox 360) und PSN (PS3) spielen, dort sogar online gegen andere Kontrahenten. Die Steam-Version wurde inzwischen leider wieder aus dem Store genommen, vermutlich da diese das inzwischen abgeschalteten Games for Windows Live (GFWL) für Online-Matches benutzte. Vereinzelt sind aber noch Keys dafür käuflich zu erwerben, z.B. bei MMOGA.

Ein Screenshot des leider nie zustande gekommenen “Mortal Kombat HD”

Die Arcade Kollection erschienen übrigens 2011 übrigens als Ersatz für eine geplante aber gar nicht erst angekündigte oder gar veröffentlichte HD-Version von “Mortal Kombat”. Sehr Schade!

Wo und wie habt Ihr “Mortal Kombat” damals zum ersten Mal erlebt? Daheim auf der Konsole, am PC oder gar an einem Automaten?

Ein Kommentar

  1. Mortal Kombat zeigte mir so einiges, was ich früher nicht kannte. Die digitalisierten Kämpfer sahen so echt aus, die Endurance Matches gegen gleich 2 Gegner, die coolen “Test your Might” Bonuslevel und natürlich die Finishing Moves! Ich hatte damals Mortal Kombat am Sega Megadrive und hatte dadurch damals den SNES Usern nicht nur den günstigeren Preis, sondern auch die Gewaltdarstellung voraus. Klar funktionierte das zwar auch nur über den DULLARD-“Cheat”, aber es war möglich und ich war ganz stolz ein Sega-Kind zu sein. (Heute wundert es mich, dass ich auf dem Megadrive Gamepad überhaupt einen Finishing Move durchführen konnte). Etwas später spielte ich bei einem Freund die PC-Version, die mich vorerst nicht wirklich beeindruckte, da ich keinen Unterschied zur Megadrive Version sah. Tja und dann fiel ich im Pit die Brücke runter und bewunderte die vorhandene Deko, die auch in der Megadrive Version fehlte. Die PC Version konnte ich erst viel, viel später mein Eigen nennen, da wir damals keinen PC im Haushalt hatten und, als ich dann meinen ersten PC besaß, Mortal Kombat für mich recht uninteressant war.

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