YesterPlay: Ridge Racer (PS1, Namco, 1994)

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Cover der PAL-Version von “Ridge Racer” für PS1

Der eine oder andere weiß vermutlich von meiner Begeisterung für den Arcaderacer “Bleifuss” (aka. “Screamer”), das Rennspiel, dass den PC damals grafisch und spielerisch auf ein Level mit aktuellen Konsolen und sogar den Spielhallenautomaten brachte. Aber nicht ganz zu unrecht auch gerne als PC-Klon eines anderen Spiels bezeichnet wurde: “Ridge Racer”.

Bei der all der Begeisterung für den “Klon” ist es umso erstaunlicher, dass ich mich nie ernsthaft für die “Vorlage” interessierte. Ich konnte “Ridge Racer” zwar das eine oder andere Mal auf der PS1 eines Freundes spielen, so richtig warm wurde ich damit aber nicht: Es wollte mir einfach nicht gelingen, das Auto durch engere Kurven zu manövrieren, ohne irgendwo anzuecken, die magere Auswahl an Strecken und Fahrzeugen entlockte mir seinerzeit nur ein müdes Lächeln und die seltsame Technomusik war überhaupt nicht mein Fall.

Die kürzere Strecke für Anfänger

und die etwas längere Strecke für Profis
Genau so muss ein Arcade-Racer aussehen!

Neulich rief mir ein Kommentar bei Youtube das Spiel wieder ins Gedächtnis. Eine kurze Umfrage bei Twitter und eine umfangreichere Onlinebestellung später konnte ich mir ein neues Bild von “Ridge Racer” für die PS1 machen. Und zwar ein gänzlich anderes, denn heute sehe ich das Spiel natürlich unter völlig anderen Gesichtspunkten als noch vor 24 Jahren.

(B)ridge Racer!

An einer Tatsache ist nicht zu rütteln: Selbst für einen Arcaderacer ist der Umfang schwach, obwohl er sogar im Vergleich zum Spielhallenoriginal etwas erweitert wurde. Nämlich um 3 weitere Fahrzeuge, mehrere neue Musikstücke, eine optionale Kameraperspektive hinter dem Auto und sogar den Spielhallenklassiker “Galaxian” als kleines Bonusspiel während des Ladens! Aber dafür man muss eben auch in Betracht ziehen, dass “Ridge Racer” das allererste voll texturierte Rennspiel war, etwas Vergleichbares gab es zuvor nicht. Dass Namco das Spiel unbedingt vor Segas “Daytona USA” in den Spielhallen stehen haben wollte, trug sicher auch dazu bei, den Umfang eher gering zu halten.

Sobald das Grid-Girl von der Straße geht, kann das Rennen beginnen

Dafür war die Umsetzung des Spiels technisch aber alles andere als übel, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass “Ridge Racer” das allererste PS1-Spiel überhaupt und direkt beim Erscheinen der Konsole verfügbar war! Von gelegentlichen Popups, der niedrigeren Auflösung und der niedrigeren aber immer noch schnellen Bildwiederholrate abgesehen, ist alles vorhanden, was auch in der Spielhalle drin war! Plus die bereits erwähnten Extras! Eine im Nachhinein sehr beachtliche Leistung!

Das zweite Auto ist eigentlich nur ein andersfarbiges Standardauto mit anderen Fahreigenschaften

Die von den Fans entsprechend honoriert wurde: Das Spiel gewann eine riesige Fanbasis und wuchs zu einer ausgewachsenen Serie mit bisher insgesamt 7 offiziellen Teilen heran, zahlreiche Ableger für das N64, diverse Handhelds und das von “Burnout” inspirierte “Ridge Racer Unbounded ” und seine Free2Play-Version “Driftopia” nicht mitgezählt. Teil 8 ist übrigens gerade in der Mache.

Keine Sekunde Langweile: Der spielbare Ladebildschirm

Stichwort “driften” – Nicht nur technisch war “Ridge Racer” ein Meilenstein des Genres. Auch im historischen Kontext lohnt sich eine genauere Retrospektive: Was sicher zu seinem Erfolg beitrug war Namcos Entscheidung, nicht wie ursprünglich vorgesehen ein weiteres F1-Spiel zu produzieren, sondern sich das in Japan inzwischen sehr populäre Togue-Racing zum Vorbild zu nehmen. Dabei geht es darum, eine enge Serpentinenstrecke mit möglichst hoher Geschwindigkeit zu fahren und deshalb in den Kurven mehr zu driften statt zu bremsen. Dadurch, dass Namco diese Technik in “Ridge Racer” einfließen ließ, prägt der Entwickler das Genre bis heute, kaum ein moderner Arcaderacer verzichtet mehr auf die Schleudereinlagen in Kurven.

Man möchte fast stehenbleiben und ein Sonnenbad nehmen

Doch genau da hatte ich mit “Ridge Racer” früher meine Probleme: Während bei Drifts in anderen Rennspielen üblicherweise das Heck ausbricht und man über die Vorderachse ausgleicht, bleibt hier das Heck starr und die Front des Fahrzeuges bricht aus, etwas womit ich nie so richtig klarkam oder klarkommen wollte. Heute, mit nur wenig Übung, komme ich zumindest um den ersten Kurs recht gut herum, mit etwas mehr Übung dürfte auch der längere Kurs gut machbar sein.

Schöne Details überall

Und ich muss sagen: Inzwischen macht es mir auch sehr viel Spaß, die malerische Küstenstraße entlang zu heizen und die vielen liebevollen Details zu bewundern, die Namco überall eingebaut hat. Das Spiel bleibt auf meiner persönlichen Bestenliste zwar immer noch hinter “Bleifuss” zurück, das mit rockigerer Musik, mehr Autos, mehr und abwechslungsreicheren Strecken und der einfacheren Steuerung einfach mehr zu bieten hat. Aber es hat deutlich zu ihm aufgeholt! Den Soundtrack finde ich jedoch nach wie vor gruselig. 🙂

Über die Ziellinie und gewonnen!

Obwohl man das erste “Ridge Racer” heute getrost als Klassiker und Meilenstein des Genres bezeichnen kann, ist es leider nicht digital zu bekommen, einzig der vierte Teil “R4: Ridge Racer Type 4”, die Version für die PS Vita und das etwas andere “Ridge Racer Unbounded” sind im Playstation Store als Download verfügbar. Glücklicherweise ist das Spiel noch problemlos für recht wenig Geld gebraucht als Disc verfügbar, entweder in der Originalfassung oder aus der Platinum-/Greatest-Hits-Serie.

Mit “R4: Ridge Racer Type 4” spendierte Namco den PS1-Fans übrigens als Bonus noch eine CD mit einer überarbeiteten Version des Originals, hierzulande als “Ridge Racer Hi Spec Version” bekannt. Diese lief in einer höheren Auflösung und einer doppelt so hohen Bildwiederholrate (60 Bilder pro Sekunde in NTSC, 50 in PAL-Regionen) und unterstütze Controller mit Vibrationsmotoren sowie Namcos JogCon-Controller mit dem “Lenkrad” in der Mitte. Dafür fuhr man maximal gegen 2 andere Autos, statt wie vorher gegen 11, im neuen Time-Attack-Modus sogar ganz ohne Gegner. Zusätzlich konnte man ein Auto aus “Ridge Racer Revolution” freispielen.

#YesterPlay: Ridge Racer (Playstation, Namco, 1994)

Ein Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben, hab gerade mal wieder RR4 gespielt – die Reihe sieht für tw. über 20 Jahre alte Games immer noch fantastisch aus!
    PS: das Driften “von vorne” stört mich auch bis heute 😉 Daytona USA und OutRun sind beim Driften einfach so viel logischer programmiert worden.

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