YesterPlay: Slipstream (Arcade, Capcom, 1995)

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Die drei zur Auswahl stehenden Spielmodi

Über dieses Spiel stolperte ich zufällig, als ich eigentlich nach einem anderen F1-Spiel suchte, das ich vor langer Zeit in Italien spielte. Ein erst neulich veröffentlichtes Spiel mit dem gleichen Namen brachte mich wieder darauf, dass ich diesem etwas obskuren Titel ja auch mal einen Beitrag widmen wollte. Was ich hiermit nun tue…

Ein voll aufgeladener Windschatten-Turboschub!

Mitte der 1990er revolutionierten Atari, Namco und Sega das Genre in den Arcades, als sie mit den ersten 3D-Rennspielen mit gefüllten Polygonen das Ende der klassischen 2D-Racer besiegelten. Zuletzt konnte besonders Sega mit diesen, dank ihres fantastischen Super Scaler Chips auf dem System 32 Arcadeboard, noch grafische Höhepunkte setzen: Spiele wie “GP Rider” und “F1 Exhaust Note” erreichten für damalige Verhältnisse sehr schnelle, räumlich wirkende und bereits annähernd fotorealistische Grafik, dennoch waren die Möglichkeiten, die zweidimensionale Sprites boten, deutlich beschränkter als die von Polygonen. Und so kam es schließlich, wie es kommen musste: 1993 kam mit “F1 Super Lap” Segas letztes Rennspiel für das System 32 in die Spielhallen, nachdem im gleichen Jahr bereits Namcos “Ridge Racer“, Segas “Daytona USA” und in den Jahren zuvor schon Ataris “Hard Drivin'”, Namcos “Winning Run” und Segas “Virtua Racing” eindeutig demonstrierten, wohin der Weg der Rennspiele gehen würde: Weg von der zweidimensionalen Formel 1, hin zu dreidimensionalen Sportwägen.

Gleich geht es los, im Großen Preis von Deutschland!

Warum Capcom also 1995, zwei Jahre danach, noch einmal Segas System 32 lizenzierte und ein an sich gutes, aber inzwischen absolut nicht mehr zeitgemäßes F1-Rennspiel darauf herausbrachte, wusste damals vermutlich auch nur der innerste Kreis der Verantwortlichen. “Slipstream” war das einzige Spiel auf dieser Hardware, das nicht von Sega selbst war. Es macht dank der detailreichen und pfeilschnellen Grafik, einiger schöner Details (z.B. wechselnden Wetterbedingungen und schicken Bloom-Effekten) und der titelgebenden Windschatten-Mechanik echt Spaß, ich spiele es immer wieder gerne mal im Emulator. Wäre das Spiel ein paar Jahre früher heraus gekommen, hätte es ein echter Hit werden können, 1995 konnte es aber grafisch und inhaltlich keinen Blumentopf mehr gewinnen. Da war leider nicht mal mehr ein Trostpreis drin.

In Australien ändert sich das Wetter während des Rennens.

Was vermutlich auch der Grund war, warum das Spiel nur 150 Mal als Prototyp in einem Standgehäuse (mit Lenkrad) ausgeliefert wurde. Und das auch nur im südamerikanischen Raum. Danach verschwand das Spiel in der Versenkung, es wurde für keine Konsole umgesetzt oder auf irgendeiner Collection je wieder veröffentlicht. Es existiert allerdings seit kurzem ein gleichnamiges Rennspiel im Retro-Look für den PC, das wieder Sprite-Scaling und die gleiche Windschatten-Mechanik nutzt. Möglicherweise konnte “Slipstream” also zumindest als Inspirationsquelle noch einen Zweck erfüllen.

#YesterPlay: Slipstream (Arcade, Capcom, 1995)

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